IMMER WIEDER SONTAGS
Protokoll eines Sonntages im Spätsommer.
Ich betrete den Raum, aber er schenkt mir keinerlei Beachtung. Sein einziges Interesse gilt
den Formel 1 - Boliden, da kann ich unschwer mithalten. „Und, wer führt?” „Hakkinen” erklärt
er mir kurzangebunden. „Spannende Weltmeisterschaft heuer” bemerke ich. „Ja.” Sein Interesse
an einem Gespräch mit mir ist gleich Null., doch ich gebe mich nicht so schnell geschlagen.
„Wie ergeht es Alexander Wurz heute?” „Nicht in den Punkterängen, aber auch nicht Letzter.”
Schwer beeindruckt von seiner aus mehreren Worten bestehenden Antwort fasse ich neuen Mut.
“Motorsport hat was Faszinierendes an sich. Darüberhinaus sind Formel 1-Fahrer auch meist von
attraktiven Frauen umgeben” stelle ich trocken fest.”Stimmt. Aber es gibt auch jede Menge Männer,
die fescher sind als die Motorsport-Stars” erwidert er und schaut mich erwartungsvoll an. Bestimmt
will er jetzt eine Antwort von mir hören, die sein Ego stärkt. “Ganz meine Meinung. Du bist zwar kein
Millionär, aber dafür können Dir Hakkinen und Co. in den anderen Dingen nicht das Wasser reichen.”
antworte ich mit einem charmanten Lächeln und er dankt mir mein Kompliment mit einem strahlenden
Gesicht. Alles könnte jetzt fast wieder eitel Wonne sein - doch ich zeige mich heute streitlustig und
werfe ihm den Fehdehandschuh zu. „Aufregender Sport in der Tat, allerdings werde ich oft das Gefühl
nicht los, daß manche Männer mit ihrer Leidenschaft für Autos etwas kompensieren wollen.“ „Meinst
du jetzt etwa damit auch mich?“hakt er nach und klingt auf einmal sehr verstimmt. „Aber nein!“ rufe ich,
empört über diese Unterstellung, aus. „So etwas würde ich doch nie sagen. Außerdem hast du ja eh gar
kein Auto! Jetzt fällt mir auch wieder ein, warum ich eigentlich in das Zimmer gekommen bin. Gibst du
mir bitte meine Autoschlüssel vom Schreibtisch? Ich möchte ein paar Runden fahren gehen. Das neue
Auto ist einfach ein Traum, ich bin schwer verliebt in das Fahrzeug. Und es macht sich bezahlt, daß ich
mich für die PS-stärkere Variante entschieden habe“ lächle ich süffisant und bin mit einem „Also, bis
später! Bye!“ seinem Blickfeld entschwunden, ohne ihm auch nur den Funken einer Chance zu geben,
darauf zu kontern.
la dolce lisa

