„Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker
sollte für sämtliche Familienmitglieder eine Pflichttermin sein“,
sagt mein Dad und schaut mich mit ernstem Blick an. Ich neige mein Haupt und
lächle gequält. Man mag mich an
diesem Tage ruhig Kunstbanause schimpfen, aber das Konzert, das sich in meinem
Kopf abspielt, verlangt meine
volle Aufmerksamkeit. Laut und dröhnend ist es, von lieblich und harmonisch
keine Spur. Man(n) hatte mich tags
zuvor zu einem kleinen Silvester-Umtrunk eingeladen. Was folgte, war eine zu
buchstäbliche Realisierung des
Wortes Um-Trunk. Am Tage danach suhle ich mich in jedem ernstgemeinten Mitleid
meiner Mitmenschen.
Vorsätze fürs neue Jahr? Irgendwann wird man
meist klüger und realistischer und legt ein solches Verhalten ad acta.
Stattdessen habe ich jede Menge Wünsche. Geld(oder war es doch Sex?) ist angeblich
eine der wichtigsten
(Neben-) Sachen der Welt, und mein Kontoauszug bestätigt mir jedes Mal eindrucksvoll,
dass ich in der Vergangenheit
meist Augenmerk auf andere Dinge gelegt habe als auf die Vermehrung eben dieser
einen Sache. Ein lukrativer Job
in der Medienbranche könnte vermutlich Abhilfe schaffen. Manche sind von Geburt
an schön, klug, reich – mir hat man
hingegen bei manchen Zielsetzungen nicht gerade Bescheidenheit in die Wiege
gelegt. Manchmal sind mein Ehrgeiz
und mein Enthusiasmus gerade mit Obsession versehen. Trotz launebeinträchtignder
Katerstimmung gehe ich
schleunigst sämtliche karrierefördernden Vitamin B-Faktoren durch, deren Zweck
es sein sollte, Fortunas Augenmerk
nach einer längerem Abstinenz derselben wieder auf meine Wenigkeit zu lenken
und dem Glück quasi auf die Sprünge
zu helfen. Meine Beziehung zu Fortuna war seit jeher eine abwechslungsreiche,
komplizierte. Diesmal habe ich aber
ein Trumpf-As in der Hand: Den Vitamin B-Cocktail. Im Gegensatz zu den handelsüblichen
Cocktails mag seine
Auswirkung auf meine Gesundheit und meine körperliche Verfassung zwar marginal
sein, aber dafür könnte er mir
beruflich zu noch nie dagewesenen und lang erhofften Höhenflügen verhelfen.
Sollte mir Fortuna in dieser Angelegenheit
auch widrig gesinnt sein, bin ich mir diesmal recht sicher, dass die Wirkung
so genial sein wird, dass ich sogar
imstande bin, der launischen Fortuna ein Schnippchen zu schlagen.